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MRSA-Infektion durch Missachtung von Hygienstandards

Einem Patienten steht ein Schmerzensgeld in Höhe von 40000 Euro zu, nachdem er sich im Krankenhaus mit MRSA-Keimen (multiresistenten Staphylokokken) infiziert hat, weil ein Krankenpflegeschüler beim Abmachen einer Infusionskanüle Hygienevorschriften verletzt hat, urteilt das OLG Hamm (Az.: 26 U 62/12).

Pfleger bereitet kanüle vor.
© Sherry Young | Fotolia.com

Geltend gemacht werden Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung. Während einer stationären Tinnitus-Behandlung erhielt der Patient Infusionen über eine Venenverweilkanüle. Kurze Zeit später zeigte sich eine Schwellung und Rötung am linken Arm. Eine Blutkultur ergab, dass der Patient mit MRSA-Keimen infiziert war.

Unsachgemäße Entfernung der Kanüle

Der Kläger behauptet, dass ein Zivildienstleistender bei dem Entfernen der Kanüle vor dem Abstöpseln der Infusion einem Mitpatienten eine eitrige Wunde versorgt ohne danach die Handschuhe zu wechseln. Der auf den Boden gefallene Infusionsschlauch sei weiter verwendet worden. Dadurch habe er sich mit MRSA-Keimen infiziert. Folge dieser Sepsis sei eine Spondylodiszitis und ein Abzess im Bereich der Lendenwirbelsäule gewesen, die neurochirurgisch versorgt werden mussten.

Das LG Arnsberg hat die Klage abgewiesen (Az.: 5 O 4/11), weil ein Verstoß gegen Hygienestandards nicht nachgewiesen sei. Hiergegen richtet sich die zulässige Berufung des Klägers, der sei erstinstanzliches Begehren weiterverfolgt.

Schmerzensgeld in Höhe von 40000,- Euro

Der Patient kann aufgrund eines Behandlungsfehlers ein Schmerzensgeld in Höhe von 40000,- Euro verlangen. Es steht fest, dass er von der Beklagten fehlerhaft behandelt worden ist und dadurch eine Infektion mit multiresistenten Staphylokokken (MRSA) erlitten hat. Eine Haftung für eine Infizierung durch Keime kommt immer dann in Betracht, wenn der zu fordernde Qualitätsstandard unterschritten wird und dies auch ursächlich für eine Schädigung des Patienten war.

Abstöpseln der Infusion ohne vorherige Desinfektion

Das Abstöpseln der Infusion ohne vorherige Desinfektionsmaßnahmen ist auf jeden Fall ein Fehler. Die Einstichstelle der Kanüle ist hier unzweifelhaft die Eintrittspforte für die Keime gewesen. Zudem ist davon auszugehen, dass die Infusion ohne Einhaltung von Hygieneregeln von einem Krankenpflegeschüler - und nicht wie behauptet von einem Zivildienstleistenden – im Beisein eines examinierten Pflegers abgestöpselt worden ist, nachdem dieser zuvor einen Verband bei dem Zimmernachbarn des Klägers gewechselt hatte.

Grober Behandlungsfehler

Die Durchführung dieser Pflegemaßnahme durch den Krankenpflegeschüler stellt einen schweren Verstoß gegen die elementaren Regeln der Hygiene dar. Dieser Behandlungsfehler hat auch zu der Infektion des Klägers mit MRSA-Keimen geführt. Dass nicht feststeht, ob MRSA-Keime beim Bettnachbarn tatsächlich vorgelegen haben, steht der Annahme der Ursächlichkeit des Behandlungsfehlers für die eingetretene Infektion nicht entgegen, weil die Vorgehensweise einen groben Behandlungsfehler darstellt, der hinsichtlich der Kausalität zu einer Beweislastumkehr geführt hat.

 

 

Quelle: Redaktion Rechtsdepesche, siehe auch: RDG 2014, 11(3), S. 135-137

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