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Studiengänge in der Pflege

Im Vergleich zu den USA und England begann die Akademisierung der Pflegeberufe in Deutschland sehr spät. Erst in den neunziger Jahren wurden vereinzelte Studiengänge eingerichtet, welche sich zunächst nur auf die Qualifizierung von Lehr- und Leitungskräften konzentrierten. 2003 wurde im reformierten Krankenpflegegesetz, der akademisch Abschluss als Voraussetzung für die Lehrtätigkeit gesetzlich verankert und der Prozess der Professionalisierung bekam einen neuen Aufschwung.

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Da die Pflegeausbildung bzw. die nichtmedizinischen Gesundheitsberufe im europäischen Ausland (ausgenommen Österreich, Luxemburg und Frankreich) alle im tertiären Sektor angesiedelt sind, wurde im Krankenpflegegesetz von 2004 erstmals zusätzlich eine Modellklausell verankert, die es ermöglicht die Pflegeberufe auf ein akademisches Niveau anzuheben. Bestärkt wurde die Entwicklung als die Modellvorhaben auch für die Hebammen, Ergo-, Physio- und Logopädieausbildung ausgeweitet wurden. Während die Berufsbilder an Hochschulen auch einen primärqualifizierenden Abschluss ermöglichen, werden die Studiengänge in der Gesundheits- und Krankenpflege bzw. Altenpflege bisher nur ausbildungsintegriert angeboten.

Die Hochschulabsolventen müssen demnach zusätzlich zu ihrem Bachelorabschluss das Staatsexamen an einer Schule für Gesundheitsberufe erwerben, was im Vergleich zu einem primärqualifizierenden Abschluss an der Hochschule nicht nur mit einer längeren Studiendauer verbunden ist, sondern auch mit 3 verschiedenen Lernorten.

Bachelor und Masterabschlüsse

Mit der größten Hochschulreform seit Jahrzehnten, dem sogenannten Bolognaprozess, wurden das Diplom und der Magister abgeschafft und der Bachelor und Master eingeführt. Ziel der Reform war eine internationale Vergleichbarkeit, eine verbesserte Qualität der Studienangebote und die Steigerung der Mobilität von Studenten.

Der erste akademische Grad bildet der Bachelor, der anschließende Master qualifiziert dann zur Promotion, der Erlangung der Doktorwürde. Beide Abschlüsse werden sowohl an der Universität als auch an der Hochschule verliehen. Je bestandenem Semester erhält der Student 60 Kreditpunkte (ECTS). Bei einer Studiendauer von insgesamt 5 Jahren können somit bis zu 300 Creditpoints erworben werden. Geichwohl sich viele Universitätabsolventen sehr dagegen streuben, sind die Abschlüsse als gleichwertig anzusehen. Wobei die Organisation und die Inhalte an der Hochschule praxisorientierter sind und die an der Universität primär auf eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereiten.

Der Bachelor

Der Bachelor (auch Bakkalaureus oder Baccalaureus) dauert in der Regel drei Jahre und führt, je nach Studiengang, zu unterschiedlichen Abschlussbezeichnungen. Diese wurden bereits 2003 von der Kultusministerkonferenz (KMK) in den Strukturvorgaben wie folgt festgelegt:

Bachelor of Arts (B.A.)
Sozial-, Sprach-, Kultur-, Informations- und Wirtschaftswissenschaften
Bachelor of Science (B.Sc.)
Absolventen der Architektur-, Natur-, Human-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, Mathematik sowie der Informatik
Bachelor of Education (B.Ed.)
Absolventen des Lehramtstudiums

Daneben gibt es noch weitere Abschlüsse (B.Eng., B.M.A), welche jedoch nicht die Pflege betreffen. Zudem sorgt bereits die Unterscheidung zwischen B.A. und B.Sc. häufig für Verwirrung. Zwar sollte der Schwerpunkt des B.Sc. eher wissenschaftlich sein, in der Praxis werden die Abschlüsse jedoch abhängig von der Hochschule verliehen. Die gleichen Studieninhalte können somit zu einem unterschiedlichen Abschluss führen. Dabei sind die Bezeichnung weniger wichtig als die Schwerpunkte des Bachelor-Studiums, da der Masterstudiengang, mit einigen Ausnahmen, thematisch auf die Inhalte aufbaut. Wer also bereits zu Studienbeginn weiß, dass er auch einen Masterabschluss erwerben möchte, sollte sich bereits vorher über die Kompatibilität informieren.

Der Master

Der Masterabschluss kann auf verschiedenen Wegen erlangt werden, weshalb es differenzierte Masterprogramm gibt. Es werden 3 Masterprogramme angeboten:

  • konsekutives Masterprogramm
  • nicht-konsekutives Masterprogramm
  • weiterbildendes Masterprogramm

Der am häufigsten absolvierte Master ist konsekutiv. Er schließt sich direkt an das Bachelor-Studium an, baut thematisch darauf auf und vertieft die zuvor erworbenen Erkenntnisse. Der konsekutive Master dauert in der Regel 2 Jahre bzw. darf 2 Jahre nicht überschreiten. Im Vergleich dazu richtet sich der nicht-konsekutive Master an Akademiker, die beipielsweise ein Diplom oder Magisterstudium absolviert haben. Sie erhalten dadurch die Möglichkeit einen weiteren akademischen Grad zu erlangen, welcher thematisch nicht auf dem ersten Studienabschluss aufgebaut sein muss. Die Studienzeit ist dabei auch nicht auf 2 Jahre begrenzt. Der wohl bekannteste weiterbildende Master ist der MBA (Master of Business Administration). Als Zulassungsvoraussetzung für das Masterprogramm wird in der Regel eine Berufserfahrung von 3 Jahren erwartet, weshalb das Studium auch berufsbegleitend durchgeführt werden kann. Der Master ist sehr anwendungsorientiert und begegnet fortlaufend den Herausforderungen des Arbeitsmarktes. Die Abschlussbezeichnungen werden analog zu den Bachelorabschlüssen vergeben.

 


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