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Fit im Pflegeberuf
© contrastwerkstatt / Fotolia.com

Prävention: Gesund bleiben im Pflegeberuf

Pflegekräfte sind in ihrem Berufsalltag zahlreichen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Wie es trotzdem gelingen kann, Körper und Seele nicht zu überfordern, erklärt Biomechanik-Expertin Katy Bowman im Interview mit DPP-Redakteurin Stefanie Roloff.

Wie kann ich mich als Pflegekraft fit halten?

Katy Bowman: In körperlich anstrengenden Berufen ist es wichtig, dass die eigene Stärke mit den Anforderungen Schritt hält. Fehlt die Zeit für ein tägliches Übungsprogramm, können Sie sich fit halten, indem Sie mehr Bewegung in Ihr tägliches Leben integrieren. Lagern Sie zum Beispiel häufig genutzte Küchenutensilien, wie Tassen, ganz oben im Regal, sodass Sie sich öfter strecken müssen, oder ganz unten, sodass Sie dadurch Kniebeugen in Ihren Tag einbauen. Gehen Sie darüber hinaus am besten zu Fuß zur Arbeit (jedenfalls einen Teil des Weges). In Ihrer Freizeit können Sie Freunde anstatt im Café auch zu einer gemeinsamen Wanderung oder zum Nordic Walking treffen. Bringen Sie Ihren Kaffee oder Tee dann einfach dorthin mit!

Wie festige ich meine körperliche Konstitution?

KB: Das Beste für die Festigung der körperlichen Konstitution ist, sich oft und auf verschiedene Weise zu bewegen. Ein starker Körper muss insgesamt stark sein, nicht nur an manchen Stellen. Kräftigen Sie also nicht nur ihren ganzen Körper, sondern bewusst einzelne, im Beruf stark beanspruchte Körperregionen, um Fehlbelastungen und Verspannung zu vermeiden. Dehnen und stärken Sie zum Beispiel ihre Hände; arbeiten Sie daran, Ihre Ohren über Ihren Schultern zu positionieren, anstatt Ihren Kopf vor sich herzutragen; nutzen Sie gesundes, im Sommer am besten minimales Schuhwerk, damit alle einzelnen Teile Ihres Fußes stärker werden können.

Welche Übungen eignen sich besonders?

KB: Geeignete Übungen hängen von ihrer Zielsetzung ab. Gibt es etwas in Ihrem Körper, das Sie plagt? Wo fühlen Sie sich überbeansprucht, wo vielleicht sogar unausgelastet? Ich empfehle jedem, zu versuchen, in sich hinein zu spüren, welche Körperteile sich gut bewegen lassen und welche nicht. Letztere sollten unbedingt mobilisiert und gestärkt werden. Das kommt dem ganzen Körper zugute!

Wie hebe ich Patienten am besten, um meinen Rücken nicht zu sehr zu belasten?

KB: Wenn Sie schwere Lasten heben, sollten Sie die Hüften bei gesenktem Gesäß nach hinten verschieben. So wird das Gewicht in die großen Gesäß- und hinteren Oberschenkelmuskeln hineinverlagert und nicht in die winzigen Muskeln zwischen den Wirbelknochen. Versuchen Sie also beim Heben, eine kleine Biegung in Ihrer Taille zu halten – machen Sie hierbei aber keinen runden Buckel. Probieren Sie einfach mal aus, wie dies Ihre Erfahrung beim Heben verändert.

Dynamic Aging - Aktiv und beweglich in jedem Alter von Katy Bowman

  • Buchtipp: Katy Bowman: "Dynamic Aging. Aktiv und beweglich in jedem Alter!" Hans-Nietsch-Verlag 2018. 192 Seiten. 18,90 EUR. ISBN-13: 978-3862647101

Wie gelingt die körperliche Entspannung nach einem langen Arbeitstag?

KB: Unser Körper erfreut sich an viel Bewegung, ermüdet aber schnell, wenn wir Bewegungen ausführen, die sich sehr oft wiederholen. Wenn ich an körperliche Entspannung denke, denke ich daher nicht an Bewegungslosigkeit, sondern an eine Veränderung der Bewegung. Wer an einem Ort mit flachem, ebenem und hartem Boden arbeitet, erholt sich am besten, indem er mit seinen ermüdeten Füßen über ein natürlicheres und abwechslungsreiches Gelände läuft. Wer den ganzen Tag umhergegangen ist, hat vielleicht seine Arme zu wenig bewegt und könnte sich von einer Reckstange hängen lassen und daran schwingen. Es gibt eine Redewendung, die besagt, dass „eine Veränderung genauso gut ist wie eine Pause“, was definitiv für die Bewegung richtig ist!

Wenn Sie sich aber einfach nur hinsetzen wollen, versuchen Sie, sich auf den Boden zu setzen anstatt auf einen Stuhl oder die Couch. So benutzen Sie Ihre Gelenke in verschiedenen Winkeln und dehnen diese sogar. Dabei können Sie gerne ein Buch lesen oder fernsehen. Ich empfehle sogar, zu einem niedrigen Bett auf dem Fußboden zu wechseln und langsam den Gebrauch eines Kissens zu vermeiden.

Das alles sind Veränderungen, die eine neue Geometrie in Ihrem Körper fördern, was sich dauerhaft sehr vorteilhaft auf Ihr körperliches Wohlbefinden auswirken kann.

Hinweis: Starten Sie bei körperlichen Beschwerden und gesundheitlichen Problemen nicht einfach in Ihr Übungsprogramm, sondern fragen Sie vorher einen Arzt um Rat.

Die Autorin Katy Bowman plädiert für mehr Körperbewusstsein.
© Katy Bowman
Über die Autorin: Katy Bowman ist Expertin für Biomechanik. Sie leitet das „Nutritious Movement Center Northwest“ im US-Bundesstaat Washington. In ihren „Nutritious Movement“ TM-Kursen zeigt sie weltweit Menschen, wie sie ihren Körper besser und natürlicher bewegen können. Darüber hinaus betreibt sie den preisgekrönten Blog "Katy Says" sowie einen gleichnamigen Podcast.

 

 

 

 


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